Ein Weihnachtsevangelium: die Kunst des Leporellos
Eine inspirierende Reise von einer Idee zu einem limitierten Schatz
Im Dezember 2022 hatte ich eine Idee, das Weihnachtsevangelium zu schreiben. Wie ich das umsetzen könnte, war zu diesem Zeitpunkt pure Überforderung. Irgendwann kam mir dann der Gedanke, das Evangelium als Leporello zu gestalten.
Einen großen Motivationsschub gab mir meine Freundin Irmi. Sie erzählte mir, dass sie bereits im Februar damit beginnt, die Weihnachtspost zu schreiben. Sie faltete 150 Leporellos, die innen mit Weihnachtswünschen versehen sind.
So erzählten wir uns gegenseitig unsere Ideen. Ich begann im April 2023 mit der gedanklichen Umsetzung dieses Projektes. Einteilen des Textes, überlegen welche Schrift ich verwende, Auswahl des Papiers und viele andere begleitende Tätigkeiten.
Die Satzeinteilung war ein ganz wichtiger Punkt. Wo fängt ein Satz an und wo hört er auf.
InDesign als Unterstützung
Eine große Unterstützung war das Grafikprogramm InDesign. Ich verwendete zur Einteilung eine Schrift, die ähnlich meiner Handschrift war. Die Schriftgröße war 12 Punkt. Ich tüftelte herum und teilte den Text in vier Teile ein.
Dann druckte ich diesen Text in ca. 1,5 cm Höhe aus. In einer Größe, mit der ich mit der Breitfeder das Evangelium schönschreiben konnte. Diese Größe war mir angenehm. Bei diesem langen Text muss der Schreibfluss einheitlich sein.
So begann ich, den Text nach der Vorlage vom Computerausdruck mit der Hand zu schreiben. Ich zog einheitliche Bleistiftlinien, damit die Zeilenabstände alle gleich waren. Das war eine Menge Arbeit, wobei die Vorarbeiten, die meiste Arbeit in Anspruch nahmen. Das Evangelium schrieb ich sicher einige Male. Auf Anhieb klappte es nicht. Mit viel Übung und Geduld schaffte ich so den ganzen Text.

Dann scannte ich den Text ein, bearbeitete ihn im Grafikprogramm und verkleinerte die Dateien so, bis der Text in das Originalleporello passte. Die ganze Gestaltung wurde dann in Einzelteilen in der Druckerei gedruckt. Ein wichtiger Teil war somit fast fertig.
Der Zufall
Durch Zufall – nein es gibt keine Zufälle – es sollte einfach so sein, habe ich Frau Tanja Sassor kennengelernt. Sie hat den Text „Weihnachten, ist wie ein heller Stern, der die Welt mit seinem wunderbaren Licht verzaubert“, geschrieben.
Wir gestalteten bereits gemeinsam Trauerkarten. Tanja schreibt die Texte und ich setzte sie mit meiner Schrift um. Eine wunderbare Gemeinschaft, wir passen gut zusammen. Ideen können gemeinsam besprochen werden, ohne dass der andere sich in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt fühlt. Mir ist immer wichtig, dass die Worte und Texte den Empfänger berühren, dass ein gutes Gefühl weitergegeben wird.
Das ganz rechte Foto ist aus einer Serie von Ecoprint, die ich vor zwei Jahren im Sommer ausprobiert habe. Die Buchbindermeisterin Anneliese Juriatti aus Krems, hat mir die Leporellos zugeschnitten und gerillt.

Der Druck wurde von der Druckerei Stader durchgeführt. Lange dauerte es, bis ich alle Teile fertig hatte und die endgültigen Abmessungen des Geschenkkartons festlagen. Auch zu beachten waren Versandbedingungen.
Dann begann nochmals eine große Arbeit, es war das Zusammenfügen der Einzelteile zu einer Einheit. 170-mal Frohe Weihnachten in Gold schreiben.
So könnte es für alle Besitzer dieses Weihnachtsevangelium nach Lukas zum Ritual werden, die Schachtel mit dem Weihnachtsevangelium jedes Jahr zu öffnen und zu lesen. Das Leporello ist so gestaltet, dass man es gefaltet aufstellen kann. Vielleicht in Verbindung mit der Heiligen Familie, den Krippenfiguren und mit Ochs und Esel.
Das Weihnachtsevangelium gibt es 170-mal und ist eine limitierte Auflage.
Über die Autorin:
Andrea Henriette Felber
www.kalligrafie.at