Hannah Rabenstein. Groß gedacht, locker gemacht.
Ein Porträt über Buchstabenlust, Räume als Leinwand – und einen kleinen Begleiter aus dem Etui.
Wenn Hannah Rabenstein arbeitet, wird Schrift zur Haltung. Mal leise auf Papier, mal laut auf Wänden. Immer mit Gefühl, Humor und einer Ruhe, die Tempo macht. Und irgendwo zwischen Skizzenbuch und Schaufenster liegt er bereit: ein Werkzeug, das mehr kann als Linie.
Wo Schrift den Raum verändert
Wer Hannah beim Arbeiten zusieht, versteht schnell: Hier schreibt niemand nur schön. Hier nimmt Schrift Platz ein. Auf Tafeln. Auf Glas. An Fassaden. In Innenräumen. Hannah macht Buchstaben zu Bewohnern eines Ortes. Und der Ort bedankt sich, indem er anders wirkt. Freundlicher. Klarer. Manchmal lauter, manchmal feiner. Immer ein Unikat.
Diese Lust an Fläche und Format ist kein Zufall. Sie liebt das Großflächige, doch ihr Weg dorthin beginnt oft klein. Mit einer Notiz. Einem Scribble. Ein paar Pfeilen, die sagen, wo später Dynamik entsteht. Was dann folgt, ist ein Wechselspiel aus Planung und Instinkt. Aus Maßband und Bauchgefühl. Aus Handwerk und Haltung.
Von der Typo zur Tafel
Hannah kommt aus der Typografie, studierte Design an der TH Nürnberg und arbeitet seit 2014 selbstständig. Das erklärt die saubere Sprache ihrer Arbeiten: Sie denkt in Formen, Zwischenräumen, Rhythmus. Ob Handschrift, Hand Lettering oder Kalligrafie – die Mittel wechseln je nach Aufgabe. Die Liebe bleibt die gleiche. Buchstaben sind omnipräsent, sagt sie. Man muss nur hinschauen.
Die Projekte sind vielfältig. Papier, Leinwand, Schaufenster, Fahrzeuge, Möbel, Innenwände. Jede Oberfläche fordert ein anderes Werkzeug. Kreide verhält sich anders als Acryl. Folie braucht Präzision. Pinsel fordern Kraft aus dem Arm, Stifte Fingerspitzengefühl. Genau diese Wechsel machen ihre Tage spannend. Und die Ergebnisse zu Einzelstücken.

Skizze. Pause. Entscheidung.
Bevor eine Wand Schrift wird, geschieht das Unsichtbare. Hannah sammelt Worte, Töne, Farben. Dann landet alles im Skizzenbuch. Nicht nur der Inhalt zählt, auch das Tempo. Ein schneller Strich zeigt Richtung. Eine längere Linie verankert das Motiv. Wo später ein Schwung sitzen muss, markiert oft schon ein krummer Pfeil im Notizheft den Puls. Danach folgen Proportionen, Abstände, Hierarchien. Der Rest ist Erfahrung und eine entspannte Konsequenz, die man ihren Arbeiten anmerkt.
Werkzeuge, die bleiben
Hannah liebt gutes Werkzeug. Nichts Lautes. Nichts, das Aufmerksamkeit heischt. Eher Dinge, die da sind, funktionieren und nebenbei schön aussehen. Die Haptik ist für sie kein Luxus, sondern Arbeitsgrundlage. Wenn ein Stift gut in der Hand liegt, wird die Linie mutiger. Wenn das Gewicht stimmt, findet die Hand von selbst ihren Rhythmus.
In ihrem Etui hat ein kleiner Klassiker einen Stammplatz: der Kaweco Liliput in Kupfer. Schwer und geschmeidig zugleich, sagt Hannah. Ein Stift, der mit der Zeit Patina ansetzt und dabei nur besser wird. Termine, Notizen, To-dos – alles wandert damit ins Buch. Und ja, selbst der nüchternste Punkt auf der Liste bekommt so ein bisschen Glanz. Dazu kommt ein Druckbleistift für präzise Skizzen und spontane Entscheidungen über Strichstärken. Kaweco fühlt sich für sie unaufgeregt richtig an. Elegant, präsent, ohne zu drängen. So, wie ein gutes Werkzeug eben sein sollte.
Vom Etui an die Wand
Wie entsteht die Verbindung vom feinen Stift zur großen Fläche Das ist bei Hannah keine Frage von Entweder oder. Der Stift ist das Denken auf Papier. Das große Format ist das Denken im Raum. Was die kleine Skizze verspricht, löst die Wand ein. Linien werden zu Bahnen, Buchstaben zu Bewegungen. Der Pinsel übernimmt, die Kreide probiert, die Hand findet einen Takt. Ein gutes Werkzeug auf dem Tisch macht den Anfang leichter. Ein gutes Werkzeug an der Wand macht das Ergebnis klarer.
In der Umsetzung zählt für Hannah die Balance. Zwischen Präzision und Patina. Zwischen sauberer Kante und sichtbarem Handzug. Nichts ist steril. Alles hat Spur. Wer nahe an eine ihrer Arbeiten tritt, sieht kleine Entscheidungen, die den Unterschied machen. Eine Spur mehr Druck im Abstrich. Ein Mikroabstand mehr Luft. Ein Hauch von Überlappung, der Tiefe schafft.

Material als Mitspieler
Hannahs Ton ist locker, ihre Arbeiten tragen oft einen freundlichen Unterton. Ein Mural darf strahlen, eine Tafel charmant sein, ein Schaufenster sogar ein Zwinkern haben. Der Humor ist da, aber nie laut. Er stützt den Inhalt, statt ihn zu übertönen. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich selbst nie zu ernst nimmt und das Material dafür umso ernster. Material ist für sie nämlich kein Mittel zum Zweck, sondern Mitspieler: Kreide, Acryl, Pinsel, Folie, Marker. Jeder Einsatz lässt Schrift an einem anderen Punkt atmen. Papier nimmt fein an, Glas lässt die Linie schweben, Tafeloberflächen bringen Körnung. Werkzeuge wie der Kaweco Liliput in Kupfer oder ein solider Druckbleistift geben der Skizze ihr Fundament. Was leise beginnt, wächst organisch in den Raum und trägt später den Klang eines Ortes.
Das Handwerk, das bleibt
Gute Schrift ist Handwerk, in den großen Momenten genauso wie in den kleinen. Hannah zeigt beides. Sie bringt Wissen über Proportionen, Kontraste und Rhythmus mit und gibt ihm Haltung. Vor allem weiß sie, wann es genug ist: wann ein Wort den Raum erfüllt und wann ein zusätzlicher Strich nur hübsch wäre, aber nichts mehr erzählt. Diese Disziplin macht ihre Arbeiten so klar. Dazu passt, warum Kaweco in ihrem Alltag immer wieder auftaucht. Der Look ist zeitlos und reduziert, die Form eigen. In der Hand zählt das Gefühl aus Gewicht, Oberfläche und Mechanik. Nichts Krawalliges, eher eine stille Präsenz. Wenn das Werkzeug unaufgeregt funktioniert, gewinnt die Idee Platz. Was bleibt, ist eine Linie, die ehrlich wirkt, und eine Skizze, die gern zur Wand werden will.
Am Ende zählt der Moment
Hannahs Arbeiten wollen nicht posen, sie laden ein. Man kann sich ihnen nähern, wieder wegtreten, zurückkommen. Sie bleiben freundlich, sie bleiben klar. In einer Welt voller schneller Bilder schenken sie dem Einzelnen wieder Gewicht: einem Wort, einem Satz, einer Fläche. Es ist eine Handschrift, die man aus der Ferne erkennt und aus der Nähe versteht. Am Ende zählt der Moment und der Satz, der passt. Zu einem Ort, zu einem Team, zu einer Marke, zu einem Tag. Hannah findet ihn. Mit lockerem Humor, mit dem Blick fürs Wesentliche, mit der Ruhe für Entscheidungen und mit Werkzeugen, die im Hintergrund Gutes tun. Der Rest ist Linie und das Gefühl, dass Schrift mehr kann als dekorieren. Sie zeigt, wer wir sind.
Über den Autor:
Andreas Hollender
Herausgeber Magazin Handschrift
E-Mail: info@neudenken-media.de
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