Neuheit: Schreibfeder ohne Schlitz
LAMY präsentiert eine neue Ästhetik durch Innovation
Lamy arbeitet an einer „schlitzlosen“ Feder – eine technische Innovation des klassischen Federschlitzes. Der Tintenkanal wird per Ultrakurzpuls-Laser in die Unterseite eingebracht, das Korn vorher normiert. Ziel: reproduzierbare Geometrie, eine tintenfreie Oberfläche und eine neue Ästhetik durch prägnante Facetten.
Wie entsteht eine Feder ohne Schlitz?
Der Fertigungsweg ist mehrstufig: Der Rohling entsteht im Stanzbiegeverfahren aus Standardbandedelstahl. Das Korn in Größe „M“ wird vor der weiteren Bearbeitung aufgeschweißt und mit der Schreibfläche versehen. Der Tintenkanal wird mittels Ultrakurzpuls-Laser (UKP) an der Unterseite strukturiert. Danach folgt die Oberflächenbearbeitung mittels Facettenschliff, Scheuern und Politur.
Warum diese Reihenfolge wichtig ist
Tests zeigten: Wird die Schreibfläche erst nach dem Lasern aufgebracht, kann der Kanal zu flach werden – der Tintenfluss reißt dann ab. Deshalb wird zuerst die Kugelform normiert und die Oberseite abgeflacht, erst danach gelasert. So bleibt die Kanalgeometrie konstant und reproduzierbar.

UKP-Laser statt Fräsen
Der Ultrakurzpuls-Laser verdampft Material punktuell – Breite und Tiefe des Kanals lassen sich extrem präzise und wiederholgenau einstellen. Im Vergleich dazu wird beim herkömmlichen Schneiden viel Material abgetragen und eine ungleichmäßigere Struktur geschaffen.
Für das spätere „scharfe“ Erscheinungsbild der Feder werden die Facetten oben einzeln geschliffen und die Feder hochglanzpoliert, dabei wird insbesondere der präzisen Kantenkontur eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Optimierungen
Die Übertragung der gefundenen technischen Lösung auf alle Federbreiten stellt die nächste Stufe in der Entwicklung dar. Ferner gilt es den Tintenfluß und die nutzbare Fläche am Korn weiter zu optimieren.
Für die Oberflächenbearbeitung stellen die Facetten eine Herausforderung dar. Die manuelle Höheneinstellung beim Wechsel der Schleif- und Polieraufnahmen macht den Facettenschliff aufwendig; Unregelmäßigkeiten verursachen Riefen, die nach der Politur deutlicher sichtbar werden. Hier sind weitere Verbesserungsmaßnahmen notwendig.
Was diese Feder verspricht
Die Idee ist radikal: Statt eines offenen Schlitzes steuert eine präzise, lasererzeugte Kapillarstruktur den Tintenfluss. Kombiniert mit normiertem Korn und definierten Facetten soll dies zu einem konsistenten Anlaufverhalten, klarer Strichkontrolle und einem markanten Look führen – eine neue ästhetische und funktionale Signatur.
Nächste Schritte für die Marktreife
Für den Sprung vom Funktionsprototypen/Showcase zur Serie braucht es eine automatisierte und für alle Federbreiten optimale Laserschneidqualität. Für die Ausführung der Oberfläche stabile Schleif- und Polierprozesse ohne Riefenbildung, robuste Aufnahmen/Automatisierung sowie Validierung mit unterschiedlichen Tinten und Papieren.
Ganz am Ende steht dann noch die Königsdisziplin, die Übertragung auf Goldfedern, an.
Über den Autor:
Andreas Hollender
Herausgeber Magazin Handschrift
E-Mail: info@neudenken-media.de
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